25 Jahrfeiern der Beratungsstelle für Hörgeschädigte Menschen im Kreis Recklinghausen.

 

Mit der feierlichen Kranzniederlegung am Grab des Gründers der Beratungsstelle, Konrad Stemmer, begann der Festtag. Verwandte, Freunde und Wegbegleiter des Vaters des Förderervereins trafen sich mit dem Vorsitzenden des Förderervereins, Ulrich Brock am Ost-Friedhof, um Konrad Stemmer zu ehren und ihm zu danken. Dabei erinnerte Brock auch an den langjährigen, engagierten Vorsitzenden, Hans Dieter Siepmann, der mittlerweile leider schon verstorben ist.

Anschließend wurde in der St. Elisabeth-Kirche von Gehörlosen und Hörenden Gott Dank gesagt für die 25 Jahre, in denen vielen Menschen durch die Beratungsstelle geholfen werden konnte. In seiner Ansprache zu Beginn des Gottesdienstes zitierte der Vorsitzende Ulrich Brock die Äußerung Papst Benedikt, des 16ten, in der er von der Gehörlosigkeit Gott gegenüber gesprochen hatte. „Wir Anwesende hier wissen, was Gehörlosigkeit bedeutet!“..........so Brock. Pfarrerin Sabine Kuklinski gestaltete mit Helga Grzelka und Wilma Mathis den ökumenischen Gottesdienst in Gebärdensprache und übersetzte die Predigt von Rektor Hermann Jaspers.

Um 11 Uhr begann im Gehörlosen-zentrum der Festakt, zu dem Ulrich Brock als Dienstvorgesetzter der Beratungsstelle zahlreiche Ehren-gäste begrüßen konnte: Neben der Schwester von Konrad Stemmer, Hilde Gahlen, dem Bürgermeister a. D., Theodor Uhländer und dem ehemaligen Chefarzt für HNO, Prof. Dr. Peter Plath war auch die erste Leiterin der Beratungsstelle, Hille Hartmann gekommen. Aus der Politik überbrachten Glückwünsche: der Landrat des Kreises RE, Jochen Welt, die Bürgermeisterinnen Ingrid Heinen (Marl), Eva Steininger-Bludau   (Castrop-Rauxel),  Brunhilde Magerstedt (Datteln) und Marlies Gutbier (Oer-Erkenschwick), sowie die Mitglieder des Landtages, Lothar Hegemann (CDU) und Andreas Becker (SPD). Für den Landschaftsverband Westfalen-Lippe sprach Frau Renate Gärtner der Beratungsstelle ihre Verbundenheit aus. Alle waren voll des Lobes über die Arbeit der Beratungsstelle und die vielen ehrenamtlichen Helfer.

Von den Ehrengästen konnte Ulrich Brock als Vorsitzender dankend Geldgeschenke entgegen nehmen, die für den Erweiterungsbau der Beratungsstelle eingesetzt werden sollen.

Der Vorsitzende des Landesverbandes der Gehörlosen NRW, Hermann Riekötter zeigte in einem Beispiel den anwesenden Hörenden die Situation der gehörlosen und hörgeschädigten Menschen. Mehrmals wurde eine kleine Filmszene gezeigt, aber ohne Ton. Als die Zuschauer schon unruhig wurden, meinte Riekötter: „Seht ihr, so geht es uns Gehörlosen, wenn wir zwischen euch Hörenden stehen und nichts verstehen!“.......“und daher kommt auch unser Misstrauen Hörenden gegenüber“. Für dieses Misstrauen bat er die Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle stellvertretend für alle Gehörlosen im Kreis um Entschuldigung „..vergesst es, wenn wir euch mal Ärger machen und habt Freude an eurer Arbeit“.

Dank der beiden Gebärdensprachdolmetscherinnen, Jutta Beele und Alexandra Lorenz gab es den ganzen Tag über keine Sprachprobleme. Sie übersetzten alle Reden und Grußworte und auch das Theaterstück, das Uwe Trogant unter der Regie von Hermann Riekötter mit den Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle und einigen Gehörlosen aufführte.

Uwe Trogant berichtete darin als Erzähler von früher: damals erkannte Konrad Stemmer das Problem der Sprachbarriere und wurde für viele Gehörlose zum Übersetzer, Dolmetscher aber auch Berater. In 5 kurzen Szenen wurden Situationen gezeigt, in denen Konrad Stemmer Gehörlosen geholfen hat. Er wurde durch Herbert Grzelka beeindruckend echt gespielt.

Danach wurde in vier Szenen nachgespielt, wie die Arbeit heute in der Beratungsstelle aussieht: Hilke Nyhuis zeigte, wie sie einem Gehörlosen hilft, einen kompliziert formulierten Vordruck auszufüllen. Sonja Havers spielte die Betreuung eines besonders hilfsbedürftigen Gehörlosen nach, der durch Krankheit nicht mehr in der Lage ist, für sich selbst zu entscheiden. Ulrike Maier vom Integrationsfachdienst zeigte, wie sie einer Gehörlosen, die von der Kündigung ihres Arbeitsplatzes bedroht ist, helfen kann und Saskia Döring, wie sie einem Usher-Betroffenen eine Assistenz vermittelt. Auch hierzu erzählte Uwe Trogant mit ausdruckstarken Gebärden, wie nach Gründung der Beratungsstelle immer mehr Hilfen in dem Haus am Oerweg für hörgeschädigte Menschen angeboten wurden. In beiden Teilen  spielten die gehörlosen Schauspieler Heike Stern, Thaddaus Slezak, Angelo Lombardi und der vom Usher-Syndrom betroffene Ralf Buschmann mit viel Witz und schauspielerischem Talent.

 

In seinem Schlusswort dankte Gerd Thyret als Vorsitzender des Kreisverbandes allen Festgästen für ihr Erscheinen und den Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle für ihre sehr gute Arbeit in den letzten 25 Jahren.
Neben seinem besonderen Dank an den Sozialdezernenten, Georg Möllers lobte Thyret die unermüdliche Unterstützung der Gehörlosen durch den Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Recklinghausen, Norbert Korte. Als Dank für seine Arbeit ernannte Thyret ihn zum Ehrenmitglied des Kreisverbandes.  Ganz besonders dankte Thyret dem Ehepaar Brock: Frau Brock, da sie in den jetzt 100 Tagen der Amtszeit ihres Gatten als Vorsitzender des Förderervereins oft auf ihn verzichten musste, Herrn Brock dankte er für seine unermüdliche Arbeit für das GLZ. Allein die unter seiner Regie und tatkräftigen Mithilfe komplett renovierten Räume des Gehörlosenzentrums und auch die Neugestaltung der Außenbereiche sind ein sichtbarer Beweis.

Nach dem feierlichen Begehen des 25-jährigen Jubiläums freute sich Gerd Thyret, als er um 14 Uhr den „Tag der offenen Tür“ im GLZ eröffnen durfte. Es wurde  in allen Räumen und im Außenbereich des GLZ gebärdet, Schnupperkurse wurden in  Gebärdensprache, Lormen und Taktilem Gebärden angeboten. Eine Tombola lockte mit 700 Preisen- ohne Nieten! Für das leibliche Wohl  - mit Kaffee und Kuchen, einem Getränkestand und Gegrilltem am Abend – sorgte wie immer vortrefflich das eingespielte Team des Kreisverbands bis weit in die Nacht hinein.........


Margit Maul

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