Kulturreise nach Schlesien und Warschau vom 16. bis 24. September 2004

 

Zum vierten Mal fuhr eine Gruppe mit 44 Teilnehmern in die Partnerstadt Bytom (Beuthen).

 

1.Tag

Am Donnerstag, 16.09.2004 trafen sich alle TeilnehmerInnen um 19.00 Uhr am Gehörlosen-Zentrum Recklinghausen. Aufgeregt und teilweise unausgeschlafen fuhren wir nach Zabrze (Hindenburg) los.

 

2. Tag

Nach kurzem Aufenthalt an der Grenze kamen wir am drauffolgenden Tag um 11.00 Uhr endlich im Hotel „Ibis“ an.

Nach so einer anstrengenden Fahrt fielen wir müde und erschöpft in die Betten. Einige Stunden später trafen wir uns zum Mittagsessen. Danach fuhren wir bei schönem Wetter mit der Sesselbahn und haben die Gartenschau in Chorzow besichtigt, sind in dem Ort spazieren gegangen und anschließend genossen wir leckeres polnisches Essen. Am Abend besuchten wir den Gehörlosen-Club Zabrze.

 

3. Tag

Am Samstag, 18.09.2004 nach dem Frühstück besichtigten wir die künstliche Skibahn „Dolomity Sportowa Dolina“ bei Bytom einschl. Kaffee und Kuchen. Dann fuhren wir in die Stadt Bytom und schlenderten ein bisschen. Am Abend feierten wir 10-jähriges Bestehen der gehörlosen Stadt-Partnerschaft im Gehörlosen-Club. Unsere polnischen Freunde waren sehr nett und überraschten uns mit leckerem Abendessen. Dort haben wir gegenseitig gebärdet. Viele Besucher waren im Gehörlosen-Club. Es war sehr voll. Der 1. Vorsitzende des Kreisverbandes Recklinghausen, Gerd Thyret, die 1. Vorsitzende Frau Trzcinska und die 2. Vorsitzende Frau Baczynski, beide vom Gehörlosen-Club Bytom, hielten mit Hilfe von Dolmetscher Adam Stromidlo in ihren herzlichen interessanten Reden Rückblick auf die 10-jährige Stadt-Partnerschaft. Der Präsident des Deutschen Gehörlosen-Sportverbandes, Karl-Werner Broska, der als Privatperson mitfuhr, hielt eine kurze Ansprache. Er war vor 10 Jahren auch dabei und zog deshalb Bilanz. Er lobte die gute Entwicklung des Gehörlosen-Clubs Bytom. Aus den damaligen maroden Clubräumen entstanden wahre Schmückstücke.

 

4. Tag

Am Sonntag, dem 19.09.2004 fuhren wir morgens nach Auschwitz zum größten ehemaligen Konzentrationslager. Für alle war es ein mulmiges Gefühl, die Anlage zu besichtigen. Man kann sich nicht vorstellen, dass dort ca. 4 Millionen Menschen (80% Juden) vergast wurden. Bei den Erzählungen des Begleiters und mit Hilfe des Gehörlosendolmetschers A.Stromidlo bekamen viele von uns eine Gänsehaut. In Birkenau, im Nachbarort, fuhren wir vom Aussichtsturm an der ganzen Anlage vorbei. Dann fuhren wir nach Ustron und Wisla (Weißer Berg). In Ustron brachte uns der Sessellift zum Hochland „Czantoria“, in 851 m Höhe. Dort fuhren die Snowboardfahrer den Berg herunter. Nach einem Snack fuhren wir dann mit dem Sessellift wieder zurück. In Wisla besichtigten wir die Stadt mit ihren Sprungschanzen. Der bekannte Skisprungweltmeister Adam Malsz wohnt dort.

 

5. Tag

Am Montag, dem 20.09.2004 fuhren wir morgens um 8.09 Uhr mit dem schnellen Zug von Zabrze nach Warschau, 317 km. Während der 3-stündigen Fahrt vergnügten wir uns. Eine Gruppe machte viele Witze und es wurde viel gelacht.

In Warschau angekommen, gingen wir zum Kultur-Palast. Der Lift schoss uns bis zum Panorama-Restaurant, von dem man aus eine schöne Aussicht auf die polnische Hauptstadt Warschau hat. Der Kulturpalast ist ein zwischen 1952 und 1956 im stalinistischen Baustil errichteter 231 Meter hoher Wolkenkratzer.

Unten angekommen schlenderten wir über den Sächsischen Garten in die schöne Altstadt und zum Marktplatz. Auch wurde die Geschäftsstelle des polnischen Gehörlosen-Sozialverbandes besucht. Später trafen wir auch mit Gehörlosen- bzw. Schwerhörigen Schülern neben der Hörgeschädigtenschule zusammen und gebärdeten mit ihnen.

Um 17.30 Uhr fuhren wir mit dem Zug zurück nach Zabrze.

 

 

6. Tag

Am Dienstag, dem 21.09.2004 besuchten wir das Salzbergwerk in Wieliczka. Nur 13 km südlich von Krakau liegt das Salzbergwerk Wieliczka, eine Riesenanlage mit Kammern und Tunnels auf insgesamt neun Ebenen bis in eine Tiefe von 327 m. Im Laufe von 700 Jahren wurden hier fast 20 Millionen Tonnen Salz abgebaut. Die Führung durch für eine Besichtigung zugänglichen drei Ebenen dauert zwei Stunden und führt durch fast 3 km Tunnel vorbei an unterirdischen Seen, Kapellen und Gnomen, die Bergleute in das Salz gehauen haben. Kurios: Unter Tag gibt es auch Restaurant und Sportfläche! Nach einer kurzen Kaffeepause gingen wir zurück zum Schacht. Wir wurden wieder an das Tageslicht gebracht.

Mit dem Bus fuhren wir weiter nach Krakau. In Krakau, ca. 610.000 Einwohner, bummelten wir über den alten Markt mit dem Turm und den in der Renaissance umgebauten Tuchhallen. Abends statteten wir einen Besuch dem Gehörlosen-Club ab.

 

7. Tag

Am Mittwoch, dem 22.09.2004 fuhren wir um 10.00 Uhr zum Empfang ins Rathaus von Bytom. Der stellvertretende Bürgermeister kam, begrüßte uns und sprach nur einige Minuten. Dann verabschiedete er sich von uns, weil er einen dringenden Termin hatte. Wir, auch der Dolmetscher Stromidlo, und waren dann enttäuscht. Zum Trost hat uns eine Dame des Rathauses mit Kaffee und Gebäck freundlich bewirtet. Nach der Verabschiedung und auf dem Weg vom Rathaus zum Bus, mussten wir alle rennen und wurden leider nass, weil es in Strömen regnete.

Nun ab nach Wroclaw (Breslau). Dort in einem Novotel übernachteten wir nur einmal und nutzten die Gelegenheit, die schöne Stadt zu besichtigen. Breslau (ca. 540.000 Einwohner), das ehemalige Zentrum Niederschlesiens, wurde gegen Kriegsende zu 80% zerstört. Heute ist vieles wieder aufgebaut und restauriert. Die Universität bekam ein neues Dach und wurde mit Hilfe der Deutsch-Polnischen Stiftung innen und außen ganz hübsch restauriert.

Dann hatten wir Hunger und gingen in den Rathauskeller „Spiz“ mit eigener schöner Brauerei. Wir tranken fleißig Bier und aßen auch tüchtig Schmalzbrot. Halb Liter Bier und Schmalzbrot kostete 6 Zloty (= 1,40 €). Wir hatten eine gute Stimmung und viele Witze wurden erzählt.

 

8. Tag

Am Donnerstag, nach dem Frühstück, hat Gerd Thyret eine Rede an Dolmetscher Adam Stromidlo gehalten. A.Stromidlo bekam vom Kreisverband Recklinghausen zur Erinnerung an uns eine Urkunde und dazu auch den „Lohn“ für das Dolmetschen. Auch bedankten wir uns bei unseren polnischen Freunden, die uns die ganze Zeit begleitet haben. Vor allem dankten wir A.Stromidlo, der fast rund um die Uhr für uns gedolmetscht hat und immer für uns da war.

Dann brachte unser Bus uns wieder in die Stadt. Eine besonders skurrile Attraktion befindet sich in einer Rotunde östlich vom Markt: das 120 m lange und 15 m hohe Gemälde der Schlacht von Raclawie. Eine aus Lemberg gerettete Panorama-Malerei des Jahres, die den polnischen Sieg über die Russen (1794) verherrlicht, gibt einen Einblick in die romantisch – verklärte Geschichtssicht vieler Polen. Wir besichtigten auch die Universitätsstadt Breslau (ehemalig deutsch).

Im Namen aller Teilnehmer möchte ich mich ganz herzlich bei unserem Reiseleiter und Kreisvorsitzenden Gerd Thyret und Frau Ulrike Wormland bedanken, die diese Fahrt organisiert haben. Um 19.15 Uhr fuhren wir heim.

 

9. Tag

Am Freitag um 8.15 Uhr kamen wir gut in Recklinghausen an. Um 9.00 Uhr gab es dann im Gehörlosenzentrum ein schmackhaftes Frühstück.

Reiseleiter Thyret bedankte sich bei allen, die die Reise mitgemacht haben. Auch dankte er dem besonnenen Busfahrer Stefan Heitbrink, der sehr gut mit dem Bus gefahren ist. Auf der ganzen Reise hat er sich selbst spontan in wenig Gebärdensprache zugelegt. Die Reise bleibt unvergesslich.

 

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