Vereinsausflug des Vestischen Gehörlosenvereins Recklinghausen vom 26. August bis 31. August 2007 nach Marienberg/Erzgebirge

 

Nach dem 100jährigen Jubiläum des Vestischen Gehörlosenvereins Recklinghausen erwartete die Mitglieder des Vereins noch ein besonderer Leckerbissen. Unsere 2. Vorsitzende Frau Helga Grzelka hatte für uns einen 6-Tage-Ausflug nach Marienberg im Erzgebirge organisiert. Leider hatten sich zu dieser schönen Reise nur wenige Teilnehmer angemeldet. Trotzdem fuhren wir am 26. August 2007 morgens um 8 Uhr mit dem Kleinbus der Firma Graf und guter Laune Richtung Reiseziel. Zunächst stellten sich unser Busfahrer Andreas und unsere Gebärdensprachdolmetscherin Frau Hiltrud „Hillu“ Fischer vor. „Hillu“ hat während der ganzen Reise unermüdlich für uns gedolmetscht und so war stets jeder gut über alles informiert. Um uns die Zeit der Fahrt ein wenig zu verkürzen, haben wir um Bus ein kleines Ratespiel gemacht. Erste Frage war, wie viel Kilometer es von Recklinghausen bis Marienberg wären. Zweite Frage: Wer ist der älteste Teilnehmer/in? Bekanntgabe folgte am Ende. Nach einigen Pausen erreichten wir um 16 Uhr Marienberg und unser Hotel „Im weißen Ross“. Nach dem Zimmerbezug – alles war vom Feinsten – hatten wir um 16:30 unsere erste Besichtigung. Der Bus brachte uns zum Pferdegöpel auf den Rudolphschacht in Lauta. Dort besichtigten wir eine historische Förderanlage, die von Pferden angetrieben wurde, sowie deren Aufbau und Arbeitsweise. Einige von uns sind in den 20 Meter tiefen Schacht eingefahren. Der Bergbau förderte das Erz zu Tage und aus dem Erz werden Silber, Zinn etc. gewonnen. Aus diesem Grunde wird die erste und längste Ferienstraße Sachsens die Silberstraße genannt und führt durch die herrliche Mittelgebirgslandschaft des Erzgebirges. Am Ende der Besichtigung des Pferdegöpels bekamen wir leckere Schmalzbrote und einen würzigen Kräuterschnaps, jeweils auf Dame oder Herr abgestimmt. Der Tag endete mit dem gemeinsamen Abendessen.

Am Montag brachte uns der Bus nach dem Frühstück nach Oberwiesenthal. Oberwiesenthal ist mit 914 Metern über dem Meeresspiegel die höchstgelegene Stadt Deutschlands und ein beliebter Wintersportort im Erzgebirge. Von Oberwiesenthal aus fuhren wir auf den Fichtelberg, der mit 1215 Metern der höchste Berg Sachsens ist. Vom Gipfel aus hat man einen herlichen Panoramablick bis weit nach Tschechien. Jens Weißflog, Skispringer und mehrfacher Olympiasieger, ist Ehrenbürger der Stadt Oberwiesenthal.

Am Nachmittag fuhren wir nach Karlsbad/Tschechien. Karlsbad gehört zu den berühmtesten Kurorten der Welt und besitzt 14 Quellen. Die bekannteste und stärkste Quelle befindet sich in den „Weißen Kolonnaden“, ist 72° C heiß und sprudelt 14 Meter hoch. Pro Minute werden 2000 Liter Quellwasser ausgeschüttet. Eine Promenade lädt zum Bummeln und verweilen ein. Sehenswert ist auch die 1736 erbaute Kirche St. Maria Magdalena sowie die russisch-orthodoxe Kirche St. Peter und Paul mit ihren goldenen Koppeldächern. Auf der Rückfahrt konnten wir an der deutsch-tschechischen Grenze preiswert einkaufen. Nach dem Abendessen haben wir noch eine Weile zusammen gesessen und geplaudert.

Am folgenden Tag, Dienstag, fuhren wir in Begleitung eines Führers nach Olbernhau zur Saigerhütte. Die Hütte stammt aus dem Jahr 1537 und dient der Gewinnung von Silber und Kupfer. Über 400 bekannte Bauwerke, z.B. die Dresdner Frauenkirche, das Ulmer Münster, der Stephansdom in Wien usw. tragen das grünliche Dachkupfer der Saigerhütte. In der Hütte waren vier mächtige Hammerwerke sowie die Einrichtung einer Schmiede zu sehen und zeugten von harter Arbeit.

Anschließend fuhren wir in das weltberühmte erzgebirgische Spielzeugdorf Seiffen. In Seiffen besichtigten wir zunächst die barocke Rundkirche, die nach Vorbild der Dresdner Frauenkirche erbaut wurde. Viele Geschäfte bieten kunstgewerbliche Holzschnitzereien an, die in aller Welt begehrt sind. Am Nachmittag hatten wir einen Termin in den Schauwerkstätten der Firma Eva Beyer in Deutschneudorf und konnten bei der Herstellung von Holzkunst zusehen. In mühevoller Kleinarbeit wurden die einzelnen Holzteile zunächst gedrechselt, zusammengeklebt und angemalt bzw. lackiert. Sehr beliebt sind die erzgebirgischen Schwibbögen und das „Raachermannl“ (Räuchermännchen). In Neuhausen konnten wir die größte Spieluhr der Welt bestaunen, die sich zu jeder vollen Stunde öffnet und dreht. Gleich nebenan befindet sich das Nussknackermuseum, davor ein Riesennussknacker vom 5,67 Meter Höhe. Ein Einkaufsbummel in Seiffen beendete den Tagesausflug. Nach dem Abendessen im Hotel konnten wir einen Holzschnitzer und einer Spitzenklöpplerin bei der Arbeit zusehen.

Am Mittwoch hieß es schon früh aufstehen. Bereits um 8 Uhr fuhr der Bus mit uns Richtung Dresden. Ein Tag ganz im Zeichen August des Starken, König von Sachsen und Polen. Diesmal begleitete uns eine Führerin. In Dresden hatten wir eine Stadtführung. Vor ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg war Dresden, auch Elbflorenz genannt, eine der schönsten Städte Europas. Vom Theaterplatz aus gingen wir zum Stadtschloss, Hofkirche und Fürstenzug weiter zur wieder aufgebauten  und 2005 eröffneten Frauenkirche. Diese wurde auf alten Fundamenten und teils altem und neuem Material wieder original errichtet. In einer Führung konnten wir das Gotteshaus von innen bestaunen und besichtigen. Über die Brühlschen Terrassen gingen wir zur Semperoper und zum Zwinger mit dem Kronentor. Alle historischen Gebäude sind aus dem schwarzen Sandstein der sächsischen Schweiz errichtet worden. Von Dresden aus fuhren wir mit dem Raddampfer auf der Elbe zum Schloss Pillnitz mit den wunderschönen Parkanlagen. Von dort aus brachte uns der Bus zurück nach Dresden um im schönsten Milchladen der Welt in der Bautzener Straße kurz einzukaufen.

Am Abend gab unsere 1. Schriftführerin Ulrike Wormland die Gewinner des Ratespiels bekannt. Die Kilometeranzahl von Recklinghausen nach Marienberg beträgt ca. 740 km. Richtig geraten hatten Anna Benz, Helga Grzelka und Waldemar Benz. Sie erhielten je eine kleine Holzschnitzerei und einen kleinen Kräuterschnaps. Bei der ältesten Teilnehmerin handelt es sich um unser rüstiges Mitglied Frau Edith Krämer. Da gleich mehrere richtig geraten hatten, entschied das Los. Drei kleine gute Tropfen gingen an Werner Ressemann, Werner Thorak und Herbert Grzelka.

Donnerstag, der letzte Tag unsere Reise. Heute konnten wir etwas länger schlafen. Um 9:30 Uhr ging es auf Schlösser- und Burgenfahrt im Erzgebirge. Unser erstes Ziel war das Schloss Augustusburg. Dort wurden wir in 2 Gruppen aufgeteilt. Einige von uns besichtigten das Motorradmuseum, andere den Falken- und Adlerhof, wo es Vorführungen mit verschiedenen Greifvögeln gab. Von Schloss Augustusburg aus fuhren wir zum Schloss Wildeck im romantischen Zschopautal. Nach einer kurzen Führung durch den Schlossgarten ging es weiter nach Schloss Wolkenstein. Im Schloss war ein erzgebirgisches Museum zu besichtigen und im Schlossgarten erwartete uns ein Picknick mit verschiedenen Delikatessen und Getränken. Unsere Führerin hatte sich in eine Kräuterfrau verwandelt und bot uns verschiedene Likör- und Schnäpse des Erzgebirges zum probieren an. Anschließend konnten wir in der Likörfabrik Ullmann in Lauterbach diese auch für daheim einkaufen. Von 16 Uhr hatten wir bis zum Abendessen Gelegenheit zu einem Bummel in Marienberg. Zum Abschluss der Reise gab es am Abend ein Buffett mit erzgebirgischen Spezialitäten. Danach haben wir in froher Runde und bei einigen „Kurzen“ den Tag ausklingen lassen. Unsere Dolmetscherin Hillu haben wir als Dank für ihre Mühe und zur Erinnerung an die gemeinsamen Tage eine Holzkunstarbeit aus Seiffen überreicht, worüber sie sehr erfreut war. Am Freitag, den 31. August 2007, heißt es leider wieder Abschied nehmen von Marienberg und dem Erzgebirge. Nach dem Frühstück begaben wir uns auf die Heimfahrt und legten gegen Mittag in Eisenach in Thüringen noch mal 2 Stunden Pause zur Stadtbesichtigung oder Besuch der Wartburg ein. Auf der Wartburg lebten einst die heilige Elisabeth von Thüringen, die in diesem Jahr, dem Elisabethjahr 2007, besonders geehrt wird, sowie auch der Reformator Martin Luther. Um 15 Uhr ging es dann endgültig heimwärts. Nach einigen kurzen Pausen erreichten wir am Abend um 19:30 Uhr wieder Recklinghausen.

Wir danken unserer 2. Vorsitzenden Frau Helga Grzelka für die Organisation der 6-Tage-Reise, die uns noch lange in guter Erinnerung bleiben wird.

Es sei noch angemerkt, dass wir an allen Tagen überwiegend gutes Wetter hatten und es trocken war. Nur einmal gab es kurz ein paar Regentropfen, den wir aber als Reisesegen aufgenommen haben.

 

Norbert Rinsche, 2. Schriftführer

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